Stell Dich doch mal kurz vor: Hallo, ich bin Evelyn, habe Umweltwissenschaften studiert und meine Diplomarbeit über den Einsatz von Recyclingpapier in Großunternehmen geschrieben. Seit diese im Jahr 2000 vom Öko-Institut und NABU NRW veröffentlicht wurde, arbeite ich freiberuflich als Expertin für das Forum Ökologie & Papier.

 

Wie bist du gerade auf das Thema Papier gekommen?
Das Thema ließ mich einfach nicht mehr los, seit ich Mitte der 90er-Jahre ein Praktikum bei Robin Wood im Waldreferat gemacht habe. Es ist so bedeutend und komplex. Die internationale Papierindustrie ist ein wirtschaftlich starker Sektor – in Deutschland nach der metallerzeugenden und der chemischen Industrie die Branche mit dem drittgrößten Energiebedarf. Wir verbrauchen hierzulande unglaublich viel Papier und importieren über 80 Prozent des dafür benötigten Holzes. Somit lassen wir den wesentlichen ökologischen und sozialen Fußabdruck also in anderen Ländern. Daher haben wir eine große Verantwortung, aber auch großen Gestaltungsspielraum. Bewusster Umgang mit Papier ist total wirkungsvoll und berührt unsere wichtigsten Zukunftsfragen: Waldschutz = Klimaschutz und Artenschutz.

 

Hast Du denn spezielle Tipps für unsere Leser*innen, um es anzupacken?
Der erste Schritt ist, sich bewusst zu werden, dass jede*r einen Beitrag leisten kann. Und sich darüber Gedanken zu machen, wo im Alltag unnötig Papier verschwendet wird. Dann finden sich meist ganz einfache Lösungen: Warum sich am Marktstand das Obst und Gemüse in Papiertüten herüberreichen lassen? Jutebeutel haben wir doch alle zu Hause und die kann man wunderbar einsetzen. Auch für Brot beispielsweise. Mehrweglösungen gibt es in vielen Bereichen, ob Bio-Baumwolllappen statt Küchenrolle, das gute alte Stofftaschentuch, Thermobecher für den Kaffee unterwegs oder der Einkauf in unverpackt-Läden.

Und natürlich sollte man Papier grundsätzlich doppelseitig nutzen – nicht nur am Kopierer, sondern auch im Alltäglichen. Rückseiten etwa von Briefen der Bank oder Versicherung sind ideal für Notizen und als Einkaufszettel. Unerwünschte Werbung lässt sich abbestellen mit dem Aufkleber „Bitte keine Werbung“ –und „keine kostenlosen Zeitungen“, wer auch diese nicht möchte. Sind Werbesendungen adressiert, kann man sie ohne Portokosten zurücksenden mit dem Vermerk „Unfrei zurück an den Absender. Unverlangte Sendung“. Wenn man all das umsetzt, hat man schon eine Menge Papier eingespart.

Und der zweite wichtige Schritt ist die Wahl von Recyclingpapieren mit Blauem Engel. Denn er allein bietet die Garantie für höchstmöglichen Altpapiereinsatz, maximalen Wald- und Ressourcenschutz sowie strengste Kriterien in Bezug auf den Einsatz von Chemikalien. Ob für Büro und Drucksachen, Schulhefte oder Blöcke, Toilettenpapier, aber auch Klebeetiketten bis hin zu Post Its. Die größte Auswahl hat memo, die wir deshalb gern empfehlen. Auch weil sie ohne Aufpreis in der coolen memo Box liefern.

 

broschuere wald und klima schuetzenDie Broschüre „Papier. Wald und Klima schützen“ erläutert praxisnah die wichtigsten Hintergründe und Zusammenhänge rund um einen bewussten Umgang mit Papier und kann kostenfrei beim Umweltbundesamt bestellt werden oder als PDF durchgeblättert werden. Mineralölfrei gedruckt auf fünf verschiedenen Recyclingpapieren mit Blauem Engel ist sie zugleich ein kleines „Musterbuch“ für die Papierwahl.

 

Und was genau sind die größten Knackpunkte beim Papier?
Primärfaserpapier, also Papier aus Frischfasern, erhöht den Druck auf den Wald, der ohnehin durch die Klimakrise schlimm gebeutelt wird. Wir brauchen eine weniger intensive Waldbewirtschaftung und müssen Wälder viel mehr sich selbst überlassen, damit sie mehr Totholz und andere Biomasse anreichern können. Das erhöht die CO2-Bindung, schützt durch Schatten, Feuchtigkeitsspeicher und niedrigere Temperaturen gegen die Klimakrise und hilft zugleich dem Artenschutz. Außerdem verbraucht die Herstellung von Primärfaserpapier bis zu 60 % mehr Energie und bis zu 70 % mehr Wasser als die von Recyclingpapier, erhöht den Chemikalieneinsatz, das Abfallaufkommen, die Emissionen. Und es gibt massive soziale Probleme: In Ländern wie Brasilien, aus denen wir einen Großteil des Zellstoffs für unser Papier beziehen, werden Bauernfamilien von ihrem Land vertrieben, weil dort Eukalyptusplantagen für die Papierindustrie angelegt werden. Diese schnellwachsenden, durstigen Monokulturen befördern die Trockenheit und belasten durch Pestizide und Düngemittel Gewässer und Böden. Menschen verlieren ihre Lebensgrundlagen und werden in die Slums großer Städte vertrieben. Genug Gründe also, um beim Papier genau hinzuschauen – und aktiv zu werden!

 

 

"Wo Papier unverzichtbar ist, bietet allein der Blaue Engel eine Garantie für höchstmöglichen Altpapiereinsatz, maximalen Wald- und Ressourcenschutz sowie strengste Kriterien beim Chemikalieneinsatz."

 

 

Wie verhält es sich mit dem Argument, dass der Rohstoff für Papier nachwachsend und CO2-neutral ist?
Nein, das ist Holz ganz und gar nicht! Laut Wissenschaft haben wir nicht mehr viel Zeit, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise noch zu verhindern. Wälder brauchen aber Jahrzehnte, bis sie nachwachsen – eine Fichte als typischer Baum für die Papierherstellung benötigt 70 bis 80 Jahre und Urwälder sogar 300 bis 500 Jahre. Um kurzlebige Papierprodukte herzustellen, wird heute CO2 emittiert, das erst nach Jahrzehnten wieder gespeichert wird, wenn überhaupt. Insgesamt ist der Nutzungsdruck auf die globalen Waldökosysteme viel zu hoch. Und die Klimakrise tut ihr Übriges: Überall brennen Wälder und in Deutschland haben wir durch die letzten trockenen Sommer Baumbestand in einer Fläche größer als das Saarland verloren. Das ist ein Teufelskreis, denn die durch die Klimakrise sterbenden Bäume setzen CO2 frei, das den Klimawandel weiter anheizt. Deshalb gilt es, den Wald mit aller Konsequenz zu schützen.

 

Erzähl doch ein wenig über das Forum Ökologie & Papier – können die Leser*innen Euch auf irgendeine Art und Weise unterstützen?
Wir sind ein Zusammenschluss von Papierexpert*innen und erstellen Hintergrundstudien und Infomaterial, wie die oben gezeigte Broschüre „Papier. Wald und Klima schützen“. Weiterhin geben wir Workshops und Fortbildungen für Multiplikator*innen, beantworten Anfragen von Verbraucher*innen und Presse. Und wir sind bei Anhörungen dabei, wenn es darum geht, die Kriterien der verschiedenen Blauen Engel für Papier zu aktualisieren. Vor sieben Jahren haben wir einen gemeinnützigen Verein gegründet, der schon einige spannende Projekte umgesetzt hat, zum Beispiel animierte GIFs in den Sozialen Medien, um junge Menschen für die ökologischen und sozialen Folgen unseres hohen Papierverbrauchs zu sensibilisieren oder Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte aller Altersstufen. Im kommenden Jahr möchten wir weitere Zielgruppen mit hoher Multiplikator*innenwirkung als Mitstreiter*innen für eine Papierwende gewinnen. Wir freuen uns sehr, wenn unsere Arbeit des Forum Ökologie & Papier (FÖP) durch Spenden unterstützt wird, damit wir bei Anträgen um öffentliche Mittel den nötigen Eigenanteil stemmen können.