Wer sich für umweltfreundliche Papierprodukte interessiert hat bereits den ersten Schritt getan: der zweite muss nun folgen. Und der heißt, sich informieren. Denn nur wer gut Bescheid weiß, kann eine wirklich nachhaltige Entscheidung treffen, ohne auf bunte Siegel und umweltfreundliche Slogans reinzufallen.

Ein Daumen-Hoch Siegel für alles gibt es eigentlich nicht, denn ein echtes nachhaltiges Unternehmen erfüllt verschiedene Siegelkriterien, agiert aber auch darüber hinaus. Umweltfreundlichkeit hört nicht bei Papier oder Druck auf, sondern geht noch viel weiter: grüne Banken, Ökostrom, grünes Webhosting, ein energiesparendes Umfeld, umweltfreundliche Partner..... die Liste ist lang.

Zuerst sind die Siegel und Zertifikate in verschiedene Kategorien einzuteilen. Manche zeichnen einen Druckvorgang, andere die Papierherstellung und wieder andere das Papier oder das Unternehmen aus. Um einen generellen Überblick zu bekommen, sollen die verschiedenen Zertifikate hier erläutert werden.

 

Starke Umweltzertifikate und Siegel

Fangen wir mit den vertrauenswerten Siegeln an, die wirklich das halten, was sie versprechen. Klar ist, wer Wälder schützen möchte, sollte zu Recyclingpapier greifen. Für diese Papierprodukte wurde kein Baum gefällt, da sie zu 100% aus Altpapier bestehen. Im Vergleich zur konventionellen Papierherstellung fällt besonders der um zwei Drittel verringerte Energie- und Wasserverbrauch auf, was Recycling-Papier so umweltfreundlich macht.

 

recycling logo    blauer engel

Der Blaue Engel bietet eine Garantie für höchstmöglichen Altpapiereinsatz, maximalen Wald- und Ressourcenschutz und strengste Kriterien beim Chemikalieneinsatz. Es entstehen Endprodukte von bester Qualität, die nach höchsten Ansprüchen getestet werden.

Für Papier, das mit dem Blauen Engel zertifiziert ist wurde kein Baum gefällt, da es ganz aus Altpapier besteht. Das schützt die Wälder mit ihrer Artenvielfalt und erhält für viele Pflanzen und Tiere ihren Lebensraum. Zudem wird rund 60% weniger Energie- und bis zu 70% weniger Wasser bei der Produktion von Papiererzeugnissen aus Altpapier im Vergleich zu Frischfaserpapieren verbraucht. Zum Schutz der eigenen Gesundheit werden bei der Herstellung keine giftigen Chemikalien oder Zusatzstoffe verwendet. 

Vergleicht man herkömmliches Papier mit Blauem Engel zertifizierten, so ist nicht nur ein großer Unterschied in der zur Herstellung verwendeten Wassermenge festzustellen, sondern auch der aufgewendeten Energie. Diese Energiemengen kann man veranschaulichen: So kann man mit dem eingesparten Strom bei der Herstellung von 3 Blatt Recyclingpapier eine Kanne Kaffee kochen. 250 Blatt lassen eine 11-Watt-Energiesparlampe mehr als 50 Stunden leuchten. Und mit 500 Blatt kann man einmal Wäsche waschen. Als anschauliches Beispiel vergleichen wir hier die Herstellung und den Druck von 500 "konventionellen" Klappkarten im Format DIN lang mit derselben Menge an umweltfreundlich hergestellten Eco-Weihnachtskarten:

Gute Gründe für die Öko Weihnachtskarte

  

Nun kommen wir zu den schwachen Siegel

Ein schwaches Siegel ist besser als Keines: es werden gute Ansätze verfolgt, jedoch – unserer Meinung nach - nicht ausreichend umgesetzt. Sie bieten keine Garantie für Umweltschutz. Hinter dem Kürzel FSC verbirgt sich „Forest Stewardship Council“ und bezeichnet Papiere, die mit Rohstoffen aus nachhaltiger Forstwirtschaft hergestellt wurden. Der Wald wird also bewirtschaftet, soll aber im Interesse aller Beteiligten lange erhalten bleiben - es wird abgeholzt und wiederaufgeforstet. Was und wie genau, ist in den Richtlinien des FSC nicht enthalten. FSC Papier kann also auch aus Tropenholz sein. Bei der Wiederaufforstung können Urwaldriesen durch eine Monokultur schnell wachsender Bambuspflanzen, Eukalypten, Kiefern oder Akazien ersetzt werden. Das FSC-Siegel sagt nichts über die Papierqualität oder den Herstellungsprozess aus. Es werden keine Vorgaben zum Energie- und Wasserverbrauch, CO2 Ausstoß und den Einsatz von Chemikalien bei der Papierherstellung gegeben. Echten Waldschutz bewirkt nur die Wahl von Recyclingpapier. 

 

fsc recycled

Besser ist FSC-Recycling: hier wird aus Produkten aus FSC zertifiziertem Holz, die nicht mehr verwendet werden, Papier hergestellt. FSC Holz ist nicht perfekt umweltfreundlich, doch wenn es nach Gebrauch recycelt und zu Papier wird, ist das ein guter Schritt.

PEFC steht für Programme for the Endorsement of Forest Certification, baut auf den Erfolg des FSC auf. Zertifikate über die 'nachhaltige Forstpraxis' können ohne vorherige Kontrolle an Waldbesitzer vergeben werden. Umwandlung von Urwäldern in Plantagen wird nicht verhindert und das Kontrollsystem kann die Einhaltung der Kriterien nicht sicherstellen. Somit ist das Siegel deutlich zu schwach und wird deshalb von keinem der großen Umweltverbände anerkannt.

 

Euroblume

Das Ziel des Zertifikats EU Ecolabel – EU Blume ist laut eigener Angabe, den Verbrauchern die Wahl von umweltfreundlicheren und gesünderern Produkten zu erleichtern. Jedoch sagt das Label an sich wenig über die Produkte aus. Die Anforderungen an eine nachhaltige Forstwirtschaft werden nicht ausreichen erfüllt, so können beispielsweise Anteile der Hölzer aus Primärwäldern stammen. Das EU Ecolabel fordert einen Altpapieranteil von 70% bei Zeitungspapier – die Quote für diese Produktgruppe liegt in der EU jedoch ohnehin schon bei 90%.

 

 

Nordic Ecolabel

Das Nordic Ecolabel - NORDIC SWAN fordert keinen Altpapiereinsatz. Ein Mindestanteil von 15 Prozent Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft oder von Sägereiholz (mindestens 50 Prozent) wird vorgeschrieben. Es müssen zwingend 30% der verwendeten Hölzer zertifiziert sein, wobei kein bestimmtes Zertifizierungssystem vorgegeben ist. Anforderungen an die nachhaltige Forstwirtschaft werden auch hier nicht ausreichend umgesetzt. Papier darf nicht mit Chlor, aber mit Chlorverbindungen gebleicht werden. Das Siegel garantiert keine Schonung der Wälder und somit nur einen geringen Mehrwert gegenüber Papieren ohne Zertifizierung.

Chlorfrei gebleicht bedeutet nur, dass kein elementares Chlor verwendet wurde. Papier, dessen Rohstoff mit chlorhaltigen Verbindungen gebleicht wurde, darf als „chlorfrei gebleicht“ vermarktet werden - was an sich wenig über die Umweltfreundlichkeit aussagt. Bei der ECF-Bleiche (Elementary Chlorine Free) wird das Abwasser weniger verschmutzt, als wenn reines Chlor verwendet würde, jedoch gelangen auch hier schädliche Stoffe wie Chlorat in die Umwelt. Besser: Bei der TCF -Bleiche (Totally Chlorine Free) wird vollständig auf Chlorverbindungen verzichtet und die Umweltbelastung gering gehalten. Das Bleichen besorgen stattdessen Sauerstoff und seine hoch reaktiven Verbindungen wie Peroxid und Ozon. Chlorfrei ist nicht gleich Chlorfrei: Weltweit werden noch um die 20% der Papiere noch mit elementarem Chlor gebleicht. Was als Chlorfrei deklariert wird, kann durch Chlorverbindungen aufgehellt worden sein. Nur TCF ist tatsächlich chlorfrei und somit umweltfreundlicher.

 

papier wald klima schuetzen

Wer mehr Informationen zu den Themen Recyclingpapier und Papierrecycling erhalten möchte, kann die Broschüre Papier - Wald und Klima schützen kostenfrei beim Umwelt Bundesamt bestellen.

 

Siegel zur zertifizierung von Druckbetrieben

Mit verschiedenen Klimaschutzmodellen ermöglichen es Climatepartner, myClimate, Nature­Office und der BVDM einer Druckerei, ihren Kunden klimaneutral gestellte Drucksachen anzubieten. Im Mittelpunkt steht dabei einerseits die Ermittlung des Carbon Footprints der Druckerei, zum anderen die Kompensation von CO2-Emissionen durch die Unterstützung von Klimaschutz-Projekten. Das hört sich zunächst gut an. Aber wer als umweltfreundliches Unternehmen einen grünen Druck mit erdölfreien Farben anbietet und gutes Papier verwendet, kann auf die rückwirkende Kompensation getrost verzichten. Denn um Klimaneutrales Drucken anzubieten, bedarf es einer jährlichen, kostspieligen Inspektion des Betriebes um das Zertifikat zu erhalten, und im Endeffekt handelt es sich dann um sehr geringe Spendenbeträge - so würden beispielsweise bei einer Bestellung von 100 Eco-Weihnachtskarten 4-6 cent gespendet werden. Von denen dann auch noch ein Teil auch in die Verwaltung des Klimapartners fließen würde. Wer von vorne rein umweltfreundlich handelt, braucht sich im Nachhinein nicht sein Gewissen mit ein paar gepflanzten Bäumen freikaufen.

Ökoprofit ist eine Auszeichnung für Unternehmen, das aus der Kooperation von Kommunen und der örtlichen Wirtschaft entstanden ist. Um das Zertifikat zu erhalten wird der Betrieb anhand eines Kriterienkatalogs (Vorlage eines Abfallwirtschaftskonzeptes, erfolgreiche Umsetzung von Maßnahmen, ambitioniertes Umweltprogramm, Umweltpolitik, Umweltteam, Verwendung von Kennzahlen, etc.) geprüft und von der Stadt für ihre Leistungen ausgezeichnet. Das Ökoprofit Siegel ist also ein guter Anhaltspunkt, um zu erfahren, wie umweltfreundlich ein Unternehmen ist. Jedoch kann auch hier wie immer nicht alles berücksichtigt werden. So erfährt man beispielsweise nicht, ob zertifizierte Papiere verwendet werden, oder ob die Geldanlagen bei einer grünen Bank platziert sind. Sogesehen ist ÖKOPROFIT zwar ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, kann aber keinen umfassenden Überblick bieten.